Psychoanalytisches Institut Heidelberg

Statement der DPV

Statement zu fundamentalistischen und rechtsradikalen Einstellungen in Deutschland

Der Vorstand der DPV ist dem Zweck des Vereins verpflichtet, der darin besteht, „die Wissenschaft und Forschung der von Sigmund Freud begründeten Wissenschaft der Psychoanalyse“ zu fördern. Nach seiner Auffassung teilt die Psychoanalyse als Wissenschaft und Therapie die Werte und Ziele einer modernen „wissenschaftlichen Weltanschauung“, die die „Aufklärung und Gleichberechtigung“ (Demokratisierung) aller Menschen zum Ziel hat.

Diese Ziele und Werte werden in der gegenwärtigen gesellschaftlich-kulturellen Situation zunehmend in Frage gestellt und sind gefährdet. Das berechtigt den Vorstand, verlangt sogar von ihm, Stellung zu beziehen.
Im Rückblick auf die deutsche Geschichte hält der Vorstand eine grundsätzliche kritische Stellungnahme zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen für notwendig, wird Vorschläge erarbeiten und regt die Mitgliedschaft dazu an, sich in den verschiedenen Veranstaltungen auf der Herbsttagung und auf der nächsten Frühjahrstagung an der Diskussion engagiert zu beteiligen.

Das Berufsverständnis der Psychoanalytiker in der Tradition Sigmund Freuds ist den Zielen der Aufklärung verpflichtet, mit den damit verbundenen humanitär-ethischen Implikationen, die im Sinne des Vereins nicht aufgegeben werden können. Weltweite wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklungen, wie Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, umfassende Ökonomisierung, und die sich daraus ergebenden Migrationsbewegungen haben in ihrem Zusammenwirken bei vielen Menschen in Deutschland Verunsicherung und Zukunftsängste hervorgerufen, denen mit eher regressiven Abwehrformen begegnet wird.

So sehen etwa rechtspopulistische Bewegungen in einer verengten, illusionären Sichtweise in der Migration die Ursache aller Probleme. Diese führt in der Folge zu Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Fremden und Andersdenkenden. Es werden Ängste geschürt mit der in der deutschen Geschichte bekannten Folge, die Gesellschaft zu spalten und daraus politisches Kapital zu schlagen.

Als Mitglieder der DPV vertreten wir beruflich und menschlich ethische Grundwerte wie die Ablehnung jeder Diskriminierung von Menschen mit einer anderen Hautfarbe, Herkunft oder Religion, mit einer körperlichen oder seelischen Behinderung oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Das schließt politische Vielfalt und offenen Meinungsaustausch ein. Wer jedoch antidemokratische, rassistische, fremdenfeindliche oder antisemitische Einstellungen und Positionen unterstützt und vertritt, verlässt den Boden unserer gemeinsamen ethischen Grundwerte, die für die Psychoanalyse als Wissenschaft und Therapie unverzichtbar sind, und sollte die DPV verlassen.

Arbeitsgruppe zu aktuellen politischen Fragen Der geschäftsführende Vorstand der DPV